10 Fakten zu Namibia

Dickhäutiger Nichtschwimmer: Wie geschaffen fürs Grasen, aber nicht fürs Schwimmen: Breitmaulnashorn. Foto: Sven-Eric Stender, Bush Telegraph

10 Fakten zu Namibia

04 March 2019 | Tourism

von Sven-Eric Stender

1: Schutthäuflein der Drakensberge

Eine der Dünen rund um das Sossusvlei im Sandmeer der Namib zu besteigen (hier Düne 45), ist eine anspruchsvolle Fitnessprobe. Doch selbst der als höchste Düne geltende „Big Daddy“ (325 m) ist ein Winzling im Vergleich zu den Drakensbergen (bis zu 3480 m). Warum der völlig an den Haaren herbei gezogene Bezug? Weil der Sand der Namib zum großen Teil von jenem Gebirgsmassiv in Südafrika und Lesotho stammt: Geologen zufolge wird dessen erodiertes Material seit Jahrmillionen vom Gariep/Oranje-Fluss (und seinem Vorgänger) an die Atlantikküste verfrachtet. Von dort tragen die vorwiegend aus Südwest blasenden Winde den Sand in die Namib und fegen ihn zu vielen hübschen Häuflein zusammen - die zu den höchsten der Welt zählen. Wovon die Drakensberge in ihrer Liga nur träumen können.



2: Blindes Vertrauen in Petrus

Bei Farmern ist diese in Namibia weit verbreitete Akazienart gar nicht mal so gern gesehen: Acacia mellifera, auch Schwarzdorn-Akazie (Blackthorn, Swarthaak) genannt, bildet oft ein dichtes, undurchdringliches Buschgeflecht. Der lateinische Zusatz mellifera (honig-tragend) bezieht sich auf ihre Blüten, die die Luft mit süßem Duft erfüllen - und das gegen Ende August, also mitten in der Trockenzeit. Die Pflanze investiert also in ihre Blüte, was das Zeug hält, obwohl sie alles andere als sicher sein kann, dass sie vom wenigen und oft punktuell fallenden Regen etwas abbekommt. Für diesen unerschütterlichen Optimismus wiederum dürfte mancher Farmer den Schwarzdorn bewundern.



3: Außerirdischer Asylant

Ein schwerer Brocken, im wahrsten Sinne des Wortes, ist der Meteorit, der auf der Farm Hoba etwa 20 km nordwestlich von Grootfontein am Rande der Otavi-Berge liegt. Um genau zu sein, ist es sogar mit Abstand der schwerste Brocken „der dritten Art“, der bisher auf der Erde gefunden wurde. Sein Gewicht wird auf fast 60 Tonnen geschätzt. Der etwa 90 cm hohe und je 2,70 m breite und lange Quader besteht zu mehr als 82 Prozent aus Eisen und gut 16 Prozent aus Nickel. Mit Hilfe eines radioaktiven Nickel-Isotops ließ sich berechnen, dass der Himmelskörper vor etwa 80000 Jahren auf die Erde stürzte. Einmalig ist an ihm, dass er beim Sturz nicht zersplitterte und beim Aufschlag keinen Krater hinterließ. Der „Krater“ auf dem Foto entstand erst lange nach seiner Entdeckung 1920 und Proklamation zum Nationalmonument 1955 - und zwar durch Menschenhand.

4: Palmen-Insel im Canyon

Eine Fata Morgana? Diese Frage dürfte vielen durch den Kopf schießen, die sich am zweiten Tag ihrer Wanderung im Fischfluss-Canyon dem Ort der Schwefelquellen nähern. Die mächtigen Dattelpalmen, die ihn säumen, sind natürlich nicht heimisch und es gibt sie auch nur an dieser einen Stelle. Eine abenteuerliche Geschichte aus der History-Serie der Lodgegruppe Gondwana erklärt ihre Herkunft mit deutschen Kriegsgefangenen, die 1916 aus dem Internierungslager bei Aus geflohen waren und sich bis in den Fischfluss durchschlugen. Möglich, dass zu ihrem Proviant, den sie für ihre Flucht heimlich gehortet hatten, auch Datteln gehörten. Näherliegend jedoch ist die Erklärung, dass Farmer der Umgebung den Canyon erkundet haben. Die Schwefelquellen sind wie geschaffen für einen Rastplatz und der stets feuchte Boden bietet Dattelpalmen ideale Bedingungen.

5: Dickhäutiger Nichtschwimmer

Breitmaulnashorn und tiefe Wasser sind keine Freunde. Im Gegenteil: Das Gewässer, in dem das Nashorn den Boden unter den Füßen verliert, kann zum tödlichen Feind werden. Der schwere Kopf des Tiers ist nach unten ausgerichtet, was im Zusammenspiel mit dem breiten Maul das ideale Design zum Grasfressen darstellt, aber zum Schwimmen von fatalem Nachteil ist. Sollte der Dickhäuter etwa beim Durchqueren eines Flusses in eine Untiefe geraten, kann er seinen Kopf im Gegensatz zu Spitzmaulnashorn und anderen Nashornarten nicht ausreichend nach oben bewegen, um durch Maul oder Nüstern Luft zu holen.



6: Zeuge einer Apokalypse

Er ist nicht nur Namensgeber einer Region Namibias, sondern auch das gewaltige Mahnmal einer Naturkatastrophe: Der Erongo. Vor 135 Millionen Jahren bilden sich im Gebiet des heutigen westlichen Namibia Risse in der Erdkruste. Sie kündigen den Bruch des Urkontinents Gondwana an, in dem Südamerika und Afrika noch vereint waren. Ein riesiger Vulkan mit einem Durchmesser von 40 km stößt Lava und Aschewolken aus. Schließlich stürzt das Zentrum des Vulkanberges ein, so dass eine gigantische Schüssel entsteht. Ringförmig um den Einsturz bilden sich tiefe Risse in der Erdkruste, in die von unten Magma eindringt und vor dem Erreichen der Oberfläche als Granit erstarrt. Geologen sprechen heute von einer riesigen Vulkanruine, die Herero schlicht und ergreifend vom Erongo, dem „Großen Berg“.



7: Licht bringende Lüfte

Zu Lüderitzbucht gehört der Wind wie die Faust aufs Auge. Ängstliche Besucher aus dem Inland mögen bei der Fahrt durch das „Sandstrahlgebläse“ im Dünengürtel um ihre Windschutzscheiben bangen. Die „Buchter“ dagegen freuen sich über den nebelvertreibenden Effekt der stürmischen Lüfte - und seit kurzem auch über die Erleuchtung, die sie ihnen bringen: Im August 2017 wurde nordöstlich des Hafenortes der erste Windpark Namibias fertiggestellt. Drei hohe Türme mit Windrotoren liefern 5 Megawatt Strom. Der Name „Ombepo Wind Farm“ ist allerdings etwas doppelt gemoppelt, denn das Oshivambo-Wort Ombepo bedeutet nichts anderes als Wind.



8: Fließende Grenzen

Namibia ist wahrlich reich an Kontrasten: Das Land der staubtrockenen Riviere wird umarmt von den drei größten Flüssen des Südlichen Afrika. Im Norden ist es der rund 1700 km lange Okavango, im Süden der Gariep/Oranje (etwa 2.100 km) und im äußersten Nordosten der Sambezi, der gut 2600 km lang und damit der viertlängste Fluss in ganz Afrika ist. Das Foto zeigt die typische Flusslandschaft des Gariep zwischen der Mündung des Fischflusses und Sendelingsdrift südlich von Rosh Pinah.



9: Pfiffiger Trickbetrüger

Das Leben ist hart, besonders in der trockenen Kalahari. Das gilt auch für den hier weit verbreitet anzutreffenden Trauerdrongo. Doch dieser etwa starengroße Insektenfresser hat eine Methode entwickelt, vom Teller seiner Nachbarn zu naschen. So sitzt er gerne in der Nähe von Erdmännchen auf einem halb hohen Ast. Sobald er beobachtet, dass eines der kleinen Raubtiere bei der Nahrungssuche im Sand fündig wird, stößt er einen Warnruf aus: Raubvogel in Sicht! Flüchtet das Erdmännchen dann Hals über Kopf in seinen Bau, schnappt sich der Drongo dessen Beute. Hat der Gefoppte den Trick durchschaut, wechselt der schwarze Gauner den Ruf. Er kann nämlich auch Laute anderer Tierarten imitieren. Sein Talent lohnt sich: Die stibitzte Beute macht mehr als ein Fünftel seines täglich Brot aus.



10: Verkohltes Exportgut

Diamanten und Kupfer, Fisch, Rindfleisch, vielleicht noch Trauben mögen dem durchschnittlich informierten Namibier in den Sinn kommen, der nach Ausfuhrprodukten seines Landes gefragt wird. Dass das „beloved land of savannas“ beim Export von Holzkohle zu den Top-Fünf der Welt gehört, dürfte den wenigsten bekannt sein. Im Jahr 2016 wurden mehr als 160000 Tonnen dieses natürlichen Brennstoffes ausgeführt - mit viel Luft nach oben und der Möglichkeit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Denn bis zu 30 Millionen Hektar Farmland in Namibia sind von der Verbuschung bedroht. Mit dem Schlagen und Köhlern des Busches könnte man Arbeitsplätze schaffen und wertvolle Weidefläche zurückgewinnen.

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