Bacchus hat Zweigstellen in Namibia

Beide lieben es auf Thonningii Wine Estate Wein anzubauen und zu keltern: Gilmar Boshoff und sein Vater Bertus (v.l.) Foto: Thonningii

Bacchus hat Zweigstellen in Namibia

02 March 2020 | Tourism

Namibia wird aufgrund seines Klimas wohl nie zu den großen Weinbaugebieten Afrikas zählen, doch ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Weine, die hierzulande gekeltert werden, mit genauso viel Liebe hergestellt werden, wie irgendwo anders auf der Welt. Dabei liegt ihnen - ebenso wie in anderen Anbaugebieten - ein eigener Geschmack zugrunde.

Wein wurde schon vorher am Hang des Wasserbergs oberhalb des Klein-Windhoek-Tals angebaut, bevor die katholischen Priester als erste namibische Winzer ab der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts Wein im größeren Stil anbauten -eben genau dort, wo sich heute die Gästebetriebe rundum „Am Weinberg“ befinden. Geläufigere Namen waren dabei die Pater Ziegenfuss und Morgenschweis, die am Berg oberhalb der späteren katholischen Oberschule St. Paul’s College, den Wein anbauten und damit im Grunde den Bedarf an Messwein abdecken wollten. Dieser Anbau wurde erst 1978 eingestellt.

In den vergangenen Jahren hatten sich hauptsächlich drei Weingüter etabliert: die Kristall-Kellerei bei Omaruru, Neuras, das im Maltahöhe-Distrikt unterhalb der Naukluft-Berge am Tsauchab-Rivier gelegen ist, und Thonningii Wine Estates außerhalb der Ortschaft Otavi auf dem Weg nach Grootfontein. Mittlerweile hat sich die Erongo Mountain Winery dazugesellt.

Kristall-Kellerei

2007 entschied sich die Familie Weder für den Kauf des Kristall-Kellerei und konzentrierte sich auf die Herstellung von Wein aus Weiß- und Rotweintrauben. Ab 1989 experimentierten sie mit der französischen Weißweintraube Colombard. Trotz eines hohen Zuckergehalts, behält die Rebe aufgrund des täglichen Sonnenlichts seine Säure und kann den anspruchsvollen Wetterbedingungen in Namibia standhalten. Ein außergewöhnlich hoher Alkoholgehalt überrascht indessen die meisten Weinkenner. Der Colombard eignet sich außerdem für die Herstellung des Nappa-Brandys, des begehrten und preisgekrönten Brandys des Weinguts.

Die wahre Leidenschaft von Michael Weder liegt jedoch in der Herstellung feiner Spirituosen aus den in Namibia angebauten Obstsorten wie Datteln, Granatapfel, Kaktusfeige und der endemischen Kavango-Orange. Jede dieser Spezialitäten aus Namibia ist zum Geheimtipp für Kenner und Sammler auf dem europäischen Markt geworden. 2018 gewann der „Namgin“ mit der namibischen Teufelskralle die Silbermedaille unter 2200 teilnehmenden Edelbränden beim „World Spirits Competition in San Francisco.

Erongo Mountain Winery

Im Jahre 2015 öffnete mit der Erongo Mountain Winery ein neues Weingut am Omaruru-Rivier seine Tore. Hier, zu Füßen des Erongo-Gebirges, befindet sich neben einer Schnapsbrennerei auch ein Anbaugebiet für unter anderem Cabernet Sauvignon und Shiraz. Besucher können sich herumführen lassen und an Weinproben teilnehmen. Dabei wird ihnen der Fermentierungsprozess erklärt und erhalten sie einen Einblick in die Herstellung der Weine in französischen Eichenfässern. Mittlerweile werden hier auch verschiedene namibische Liköre hergestellt.

Da die Eigentümer des Betriebs - das Ehepaar Koll - einsehen musste, dass sie aus eigener Kraft nicht genügend Wein anbauen können, um die Produktion entsprechend groß aufzuziehen, lehnt es sich an den allgemeinen Gebrauch der Weinkellereien in Südafrika, die sich das fehlende Rohmaterial in Form von Reben, von der Nachbarschaft besorgen. Im Falle der Erongo Mountain Winery handelt es sich natürlich um größere Distanzen, und so kommen die Trauben momentan hauptsächlich aus Südafrika. Künftig sollen zunehmend hiesig-angebaute Trauben verarbeitet werden. Der Betrieb stützt sich auf die Beratung seitens einer italienischen Fachkraft.

Neuras Wine & Wildlife Estate

Am Fuße des Naukluft-Gebirges befindet sich die große Oase Neuras mit natürlichen Süßwasserbrunnen. Hier hatte Allen Walkden-Davis ab etwa 1997 mit dem Anbau von Wein begonnen. Später übernahm der Tourismus-Betrieb N/a’an ku sê diese Farm und verbindet heutzutage den Ökotourismus sowie den Naturschutz mit der Weinherstellung.

Hier werden auf einer Fläche von etwa sechs Hektar, die Rebsorten Shiraz, Merlot und Petit Verdot angebaut, aber auch Mourvèdre und Grenache. Die Weine haben mittlerweile internationale Bekanntheit erlangt - besonders beliebt sind die Verschnitte. Neuras stellt ferner Liköre, Brandy und einen dunklen Gewürz-Rum her.

Der Gästebetrieb Neuras bietet dem Besucher am Namib-Rand ein einmaliges Erlebnis, denn als Teil der N/a’an ku sê-Gruppe, steht der Naturschutz hier im Vordergrund.

Thonningii Wine Estate

Der Arzt Bertus Boshoff begann 1998 auf seiner Kleinsiedlung unweit der Otavi-Pforte im fruchtbaren und von Regen gesegneten Otavi-Dreieck mit dem experimentellen Anbau von verschiedenen Trauben, worunter Shiraz, Viognier, Cabernet Sauvignon und Pinotage. Seine Anbaufläche galt sogar lange als größte des Landes und neuerdings hat sein Sohn Gilmar weitere die Weingärten auf einer benachbarten Siedlung fortgesetzt.

Schwerpunkt ist indessen der Thonningii-Shiraz, von dem bis zu 3 000 Flaschen pro Jahr abgefüllt werden. Allerdings keltert Thonningii auch Brandy und Gin-Produkte.

Genau wie die anderen Weinkellereien, hat nun dieser Betrieb auch damit begonnen, nebenher einen kleinen Gästebetrieb zu führen, der es den Besuchern erlaubt in einem der Bungalows oder herrlichen Camp-Plätzen zu übernachten.

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