„Made in Namibia“

Foto: Chloe Durr

„Made in Namibia“

02 March 2020 | Tourism

Namibia ist ein Hauptreiseziel in Afrika - jährlich heißt es mehr als eine Million Touristen im Lande willkommen. Besucher strömen in dieses Land, um diese einzigartige Freiheit, die durch die endlosen Weiten besonders betont wird, zu genießen.

Chloe Durr & Frank Steffen

Die sich ständig ändernde Topographie und Geologie sowie verschiedenartige Tierwelt, kombiniert mit dem vielfältigen, kulturellen Erbe, ziehen Reisende in ihren Bann.

Offiziell gibt es in Namibia elf Bevölkerungsgruppen, obwohl es sich im Grunde bei jeder dieser Gruppen um eine weitere Ansammlung sprachverwandter kleinerer Gruppen handelt, die ähnliche Gebräuche haben und oft als Nachbarn leben. In den 14 politischen Regionen, die sich meist grundsätzlich in der Art der Vegetation und Topografie unterscheiden, unterhält man sich in knapp 30 verschiedenen Sprachdialekten. Und trotz der enormen Größe Namibias, ist dieses geologische Meisterwerk aufgrund seines trockenen Klimas eines der am dünnsten besiedelten Länder der Welt.

Infolge des zunehmenden Tourismus-Sektors in Namibia wird mittlerweile handgemachtes Kunsthandwerk in großem Umfang angeboten und kann dies auf verschiedenen offenen Märkten, in Kunsthandwerkszentren oder einfach am Straßenrand gekauft werden, wo die Künstler ihre selbsthergestellten Produkte anbieten. Wenn der Norden Namibias, in dem die meisten Holzschnitzereien und gewebten Artefakte hergestellt werden, nicht Teil Ihrer Reiseroute ausmacht, gibt es in und um die meisten Städte - einschließlich Windhoek - verschiedene Handwerkszentren, die eine große Auswahl an Handarbeit zum Kauf anbieten. Das Namibian Craft Centre in Windhoek und der Holzschnitzereien-Markt von Okahandja (60 Kilometer nördlich von Windhoek) sind einen Besuch wert, schon allein um ein Gefühl für den Prozess zu entwickeln und die Kunstfertigkeit schätzen zu lernen - die detaillierten Tierskulpturen werden regelrecht zum Leben erweckt.

Das fortgesetzte Handwerk in Namibia sichert nicht nur den Erhalt alter Handwerkstechniken, sondern stellt auch den Lebensunterhalt vieler Menschen im Land dar, derer direkte sowie erweiterte Familien vom Verkauf dieser Produkte abhängig sind. Einige Kunstwerke wurden zwecks touristischer Attraktivität modernisiert, während andere eine Wiederbelebung des kulturellen Erbes darstellt. Aber alle sind einzigartig in Stil und Funktion, basierend auf der Herkunft des Stammes und seiner geographischen Lage. Als Gast sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass Souvenirs mehr sind als nur Andenken an Ihre Reise nach Namibia - sie sind wichtige kulturelle Symbole und erzählen die Geschichte der Menschen in diesem besonderen Land.

Lebensunterhalt verdienen

Während es ein scheinbar endloses Angebot an teilweise kommerziell-anmutenden Holzskulpturen gibt, die regelmäßig zum Gepäck gehören und meist in der vorgeschriebenen Luftpolsterfolie verpackt ihre neuen, abreisenden Besitzer begleiten, sollte die Geschichte der Handwerkskunst in Namibia nicht übersehen werden.

Holzschnitzerei, traditionell die Arbeit von Männern in Namibia, ist ein wichtiges Element vieler afrikanischer Kulturen. Die Chokwe im Südwesten Angolas sind bekannt für ihr Holzhandwerk und sind direkte Vorfahren der Kavango im Norden. Die Tierskulpturen des Kavango sind eine Weiterentwicklung der Holzschnitzereien traditioneller Artefakte, die einst zur Bestätigung des königlichen Hofes verwendet wurden: kunstvoll geschnitzte Throne und Hocker, Zeremonienstäbe und Masken, Speere und Trommeln sowie Gebrauchsgegenstände wie skulpturale Kopfstützen und Holzmörser zum Stampfen von Mahangu und Mahlen anderer Hirseprodukte. Die optisch eindrucksvollen Mawato-Wassertaxis werden für die Grundversorgung dieser Bevölkerung (diese Kanus werden in der Sambesi-Region Mokoro genannt). Die Kunst des Holzschnitzens ist ein zeitraubendes Handwerk, das von Generation zu Generation gemeistert und weitergegeben wird. Ein Handwerk, das in den Regionen Kavango und Zambezi (im Nordosten Namibias) in bescheidenen Werkstätten gepflegt wird - normalerweise im Freien, im Schatten der Marula-Bäume.

Rosenholz wird bevorzugt
Die Regionen West- und Ost-Kavango stehen in starkem Kontrast zu den Wüsten- und Halbwüstengebieten Namibias und sind eine üppige, subtropische Region, die von mehreren Flüssen begrenzt wird, die diese Landstriche mit reichen Ressourcen versorgen. Der Kavango-Fluss fließt durch den Arm der Ost-Kavango-Region, die weiter östlich an die Sambesi-Region grenzt (vorher als Caprivi-Region bekannt). Dieser frühere Caprivi-Zipfel bildet eine enge Nachbarschaft mit den vier Ländern Angola, Sambia, Simbabwe und Botswana. Es ist somit Teil einer multi-ethnischen und -kulturellen Umgebung mit einer Vielzahl von Fähigkeiten, die über die Grenzen hinweg geteilt werden. Kein Wunder also, dass im Kavango einige der talentiertesten Handwerker und Handwerkerinnen Namibias beheimatet sind. Hier traf Chloe David, den sie jedes Mal aufs Neue besucht, um ihn bei der Arbeit zu beobachten und seine neuesten Kreationen zu bestaunen.

Ausgestattet mit handgefertigten Grundwerkzeugen in Form von Ndjimbi (Axt), Nzimbu (Beil), Mbere (Messer) und Sivera (Feile) - ohne jegliche Stromversorgung - wendet David alte Holzschnitz-sowie Brenn- und Schneidetechniken an. Er lernte vom Vater, mühelos Miniaturhubschrauber, Taxis, Flugzeuge und Tiere aus Baumstümpfen und Holzbrettern zu schnitzen, die sich ordentlich im Staub neben ihm stapeln. Lokale Hartholzbäume wie Kiaat (Pterocarpus angolensis, auch bekannt unter dem englischen Namen Wild Teak) und Rosewood (Guibourtia coleosperma, hierzulande als Ushivi oder auch als Bastermopanie bekannt - leider derzeit ernsthaft vom Roden bedroht) sind das Holz der Wahl für die meisten Holzschnitzer im Norden. Es sind robuste Holzarten mit einer sehr attraktiven Maserung, die der Kunst zusätzlichen Reiz verleiht. Wie viele lokale Handwerker, ist David ein Holzschnitzer und Kleinunternehmer in der dritten Generation, der seit seinem 11. Lebensjahr die Kunst des Holzschnitzens perfektioniert und seine Kreationen am Straßenrand der „Goldenen Autobahn“ - der B8 - verkauft. Der vorbeifahrende Verkehr dient ihm als Inspiration für seine Signatur-Skulpturen von Safari-Fahrzeugen mit hoch-aufragenden Gepäckladungen und kunstvoll geschnitzten Motoren.

Nachdem David den gesamten Prozess, angefangen bei der Suche nach dem besten Baum, dem Mitnehmen und dem Sägen der Bretter - je nach Form und Größe der zu schnitzenden Skulptur -, bis hin zum Detail des Motivs, ausführlich erklärt hat, stellt er fest, dass er an einem Tag etwa vier der kleinen detaillierten Figuren herstellen kann. Der Verkauf dagegen, könne an diesem entlegenen Ort manchmal mehrere Monate dauern. Trotz seiner Umstände schaut David stolz auf sein bescheidenes Gehöft. Momentan wird gerade ein Strohdach auf die fertigen Lehmhüttenwände seines neuerbauten Kraals gehieft. Ich erfahre von ihm, dass das Leben eines Holzschnitzers keineswegs einfach ist, dass aber seine angeborene Liebe zum Handwerk und sein festes Vornehmen, dies Wissen an seine Kinder weiterzugeben (die eifrige Zuschauer an seiner Baumstumpf-Werkbank sind), ihn am Gange halten.

Das Verständnis für die harte Arbeit und das Herzblut, die bei der Entstehung einer jeden einzelnen Skulptur anfallen, während die Hersteller in größter Armut leben, vermittelt einem den Kontext des eigenen Lebens und macht die Fertigstellung jeder einzelnen Skulptur desto wertvoller.

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