Vom Abfalleimer ins Regal

Leere Plastikflaschen werden mit buntem Papier beklebt und gefaltet. Mit ihnen lassen sich kleine Geschenke originell verpacken.

Vom Abfalleimer ins Regal

Namibias Kunsthandwerker kreieren aus Weggeworfenem einmalige Souvenirs

03 June 2019 | Tourism

Seit 1990 befindet sich in den Räumlichkeiten der Alten Brauerei in der Windhoeker Talstraße das Namibia Craft Centre, eine Anlaufstelle für diejenigen, die auf der Suche nach besonderen Souvenirs aus Namibia sind. Auf einer Fläche von 750 qm, die die Omaba-Galerie und das Craft Café mit beinhalten, wird an knapp 40 Einzelständen namibisches Kunsthandwerk angeboten.

Wiebke Schmidt

Die meisten der Souvenirs, die im Craft Centre erhältlich sind, bestehen aus natürlichen Materialien. In vielen spiegelt sich Namibia und seine rauhe Schönheit wider. Zumeist sind es Frauen, die die Waren nicht nur verkaufen, sondern auch bei der Herstellung von so manchem Artikel beobachtet werden können.

Petra Naruses gehört zu diesen Frauen, die, wenn es ihre Zeit zulässt, ebenfalls an den Souvenirs arbeitet. Sie hat sich auf Mobiles und Tischläufer aus Draht und Glasperlen spezialisiert. Aus dünnem Draht formt sie runde Gebilde, in kleine Holzelefanten bohrt sie ein kleines Loch hindurch und aus altem Blech schneidet sie mit einer Blechschere die Form von Afrika oder typisch afrikanischen Tieren. Dann werden bunte Perlen aus verschiedenen Materialien aufgefädelt und letztendlich alles mit Drahtösen verbunden. Bis zu vier Stunden benötigt Naruses, um ein solches Mobile herzustellen. Noch mehr Arbeit machen die Tischläufer, die sie aus hauchdünnem Draht strickt, der einen Durchmesser von lediglich 0,3 mm aufweist. Zuvor wird jedoch eine Unmenge an Glasperlen daran aufgefädelt. Bis so ein Tischläufer, der fast fragil wirkt, fertig ist, kann es bis zu einer Woche dauern. „Den Touristen, die täglich kommen, gefällt es sehr, was wir hier machen“, sagt Naruses. Bereits seit über zehn Jahren bietet sie im Craft Centre ihre Handarbeiten an.

Martha Uusiku ist sogar schon seit 13 Jahren hier tätig. Wie auch die meisten anderen Frauen, beschäftigt sie sich, wenn nicht viel los ist. Ihr Spezialgebiet sind kleine Taschen, die sie aus leeren Chipstüten herstellt. Dies hatte ihr vor einigen Jahren einmal jemand beigebracht. „Anfangs habe ich immer wieder Chips gekauft und an meine Kollegen verteilt“, erzählt sie. Doch nun ging sie dazu über, die Knabbereien zu verkaufen und später die leeren Tüten wieder einzusammeln. Diese werden dann sorgfältig aufgeschnitten und gesäubert. Anschließend werden an der Nähmaschine ein Innenfutter sowie eine abwaschbare Folie auf die bedruckte Seite genäht. Ein Reisverschluss verhindert, dass der Inhalt der Täschchen herausfällt. „Zuerst stellte ich nur Kosmetiktaschen her“, erzählt Uusiku. Inzwischen hat sie ihr Sortiment um kleine Geldbörsen bis hin zu Taschen für Laptops erweitert.

Auch an den weiteren Verkaufsständen trifft man auf die Kreativität der Künstler. So gibt es zum Beispiel Elefanten, Giraffen oder Löwen, deren drahtige Körper mit bunten, plattgedrückten Kaffee-Kapseln bedeckt sind. Aus dem dünnen Blech von leeren Getränkedosen wird für kleine Drahtfahrzeuge die Verkleidung hergestellt. Kleine Figuren wie beispielsweise Engel tragen Gewänder, die aus den Überresten von bekannten Getränkemarken gefertigt wurden.

Ungewöhnlich sind auch die mit buntem Papier beklebten Verpackungen, die aus gebrauchten Zwei-Liter-Kunststoffflaschen bestehen. In ihnen können kleine Geschenke auf ungewöhnliche Weise verpackt werden.

Auf kleine Kunstwerke mit recyceltem Material hat sich auch Katrin Bockmühl spezialisiert. Zusammen mit handwerklich geschickten Frauen stellt sie auf Farm Krumhuk bei Windhoek unter anderem Schälchen und Schalen aus Pappmaché und gebrauchten Teebeuteln her. „Es ist gut, wenn man Dinge aus Materialien kreiert, die wenig kosten und die vor allem auch einfach herzustellen sind“, erklärt sie. Bereits vor einigen Jahren unterrichtete sie in Ondangwa einige Frauen in der Kunst der Herstellung von Pappmaché und was sich daraus kreieren lässt. Seitdem wird Bockmühl von diesen Frauen mit jenen Produkten beliefert, die ebenfalls im Craft Centre verkauft werden. „Oft haben diese Frauen eigene Ideen, die sie dann umsetzen“, erzählt Bockmühl. Wie zum Beispiel die Pappmaché-Schalen, die zuvor in die traditionellen Ovambo-Körbe gedrückt wurden und daher an der Unterseite diese typische Struktur aufweisen. Immer wieder wird etwas Neues ausprobiert. So kamen auch die Teebeutel ins Spiel, die den Schalen und Schüsseln eine weitere textile Struktur und besondere Note verleihen.

Sowohl bei den Touristen als auch bei Namibiern sind die Produkte, die im Craft Centre angeboten werden, allemal beliebt. Man ersteht dort nicht nur Unikate, sondern unterstützt mit dem Kauf von den kunsthandwerklichen Artikeln verschiedene soziale Projekte, von denen viele Familien abhängig sind. Somit ist der Einkauf hier doppelt gut - für die Umwelt, und für die Gemeinschaften.

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