Wasser trotz Trockenheit

  • 1 Month Ago
  • TN-Inside Story
Wiebke Schmidt, Windhoek

Tafeltrauben und Diamanten

Mit einer Länge von über 2 160 Kilometern gilt der Oranje nach dem Sambesi als zweitlängster Fluss im südlichen Afrika. Er entspringt in den Maluti-Bergen in Lesotho, ein Teil der Drakensberge, dem größten Gebirge im südlichen Afrika. Von den Angehörigen des Khoi-Khoi-Stammes, wurde er ursprünglich Gariep genannt. Auf seinem langen Weg zum Atlantischen Ozean fließt er durch Kimberly in der Nordkap-Provinz. Dabei spült er seit Jahrmillionen unzählige Rohdiamanten in den Ozean. Durch die Meeresströmung gelangen diese Rohdiamanten in das heutige Diamantensperrgebiet an der Küste von Namibia.

Nicht nur von Diamanten profitiert Namibia, sondern auch vom Wasserreichtum des Flusses, der viele landwirtschaftliche Ansiedlungen im Flusstal ermöglicht. Seit vielen Jahren werden hier erfolgreich Tafeltrauben und Zitrusfrüchte angebaut.

Von der Farm zum Weinanbaugebiet

Die Farm Aussenkehr war in den 80er Jahren eine der ersten Farmen in Namibia, auf der Tafeltrauben angebaut wurden. Die Tafeltrauben können zum Jahresende geerntet werden. Heute umfasst Aussenkehr über 3 000 Hektar Weinberge und ist führender Exporteur von Tafeltrauben, die im Dezember geerntet und auf den Weltmärkten verkauft werden, wo sie im Winter der Nordhalbkugel sehr begehrt sind.

Der Oranje ist ein riesiger Fluss der ganzjährig Wasser führt. Eine gewerbliche Schifffahrt auf dem Fluss ist wegen den schwankenden Pegel nicht möglich. An den Ufern des Oranje haben sich mehrere Unternehmen niedergelassen, die Tagesausflüge und mehrtägige Kanutouren auf dem Fluss anbieten.

Die Zeit als Landschaftsgestalter

Ein Fluss in der Hardap- und ||Karas-Regionen, der häufiger Wasser führt, ist der Fischfluss. Er entspringt in der Hardap-Region in den Naukluft Bergen. Mit einer Gesamtlänge von 650 Kilometern gilt er als längster Fluss in Namibia. Seit 1962 wird der Fischfluss bei Mariental durch den Hardap-Damm aufgestaut. Er versorgt die Kleinstadt Mariental und alle umliegenden Siedlungen und Farmen mit dem lebensnotwendigen Wasser. Bis vor vier Jahren war der Hardap-Damm die größte Talsperre Namibias. Im Jahre 2018 begann der Bau des Neckartal-Dammes bei Keetmanshoop, der 2021 fertiggestellt wurde.

Im unteren Drittel des Flusslaufes befindet sich der Fischfluss-Canyon. Die Schlucht entstand durch tektonische Setzungen und wurde im Laufe von Jahrmillionen bis zu 500 Meter tief und mäanderartig ausgewaschen. Der Fischriver Canyon ist ein Höhepunkt auf jeder Tour, die durch den Süden des Landes führt. Dieser Canyon ist die größte und tiefste Schlucht Afrikas und nach dem Grand Canyon in den USA die zweitgrößte der Welt. Am Canyon-Ausgang befinden sich die heißen Quellen von /Ai-/Ais. Übersetzt aus der Namasprache bedeutet dieser Name: „Brennendes Wasser“. Der staatliche Rastlager-Betreiber (Namibia Wildlife Resorts, NWR) unterhält hier eine Ferienanlage. In dieser können bis zu 200 Urlauber untergebracht werden, um das heiße Wasser im Thermalbad der Anlage und die pittoreske Landschaft zu genießen.

Nach gut weiteren 100 Kilometern vereinigt sich der Fischfluss mit dem Grenzfluss Oranje und erreicht nach gut weiteren 100 Kilometern die Stadt Oranjemund an der Küste des Atlantiks.

Lebensader für Keetmanshoop

In den Karasbergen, zwischen Schroffenstein und Kranzberg, entspringt der Swart Gausob, der nach einigen Kilometern Löwenfluss genannt wird. Auf seinem 250 Kilometer langem Weg zum Fischfluss wird er durch den Naute-Damm aufgestaut. Der Naute-Damm ist die Hauptwasserversorgung für Keetmanshoop und liegt 50 Kilometer südwestlich dieser Ortschaft. Nach dem Naute-Damm durchquert das Löwenrivier das !Gawachab-Hegegebiet. Es grenzt an das Naute-Erholungsareal und die Farm Chamieties und ist über 130 km² groß. Hier können vor allem Stein- und Springbock, Oryx, Schabrackenschakal und die Afrikanische Wildkatze beobachtet werden. Am Ende seines Weges durch die ||Karas-Region, mündet der Löwenfluss in den Fischfluss.